Anke Sevenich
27.10.2009

Becketts Winnie in Kirche

Am 24.10.2009 gastierte die Schauspielerin Anke Sevenich mit Becketts Meisterdrama "Glückliche Tage" in Bad Homburg. Die TAUNUSZEITUNG titelte ihrem begeisterten Bericht: "So schön kann Pessimismus sein". Und weiter: "Anke Sevenich brilliert in ihrer Rolle, voller Weiblichkeit, Dominanz, mit ihrem glücklichen Lächeln in den absurdesten Situationen". Gesamttext hier...

Die szenische Lesung von Tatort-Königin Anke Sevenich ist befremdend und provozierend zugleich - und das mit Absicht. Das Publikum, das Samuel Becketts Glückliche Tage in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde anschaut, ist begeistert. Die Bühne ist puristisch eingerichtet. Ein Stuhl, ein Tisch. Darauf eine Lampe. Dann tritt Anke Sevenich auf die Bühne und interpretiert Becketts Stück, das im Original so aussieht: Winnie, eine Frau um die 50, blond, gut erhalten, steckt bis zur Hüfte - später bis zum Kopf - in der Erde und muss in einer Wüste jeden Tag mit neuen Leben füllen. Ihr Mann Willie ist fast stumm und lebt hinter ihrem Sandhaufen. So einfach und so schwierig sind die Umstände des Ehepaares Winnie und Willie. Es ist ein ständiger, nicht enden wollender Kampf gegen die Leere und öde Einsamkeit dieses Ortes und gegen die Angst.
Die Inszenierung von Kathrin Schwedler setzt ganz auf die Bühnenwirkung ihrer Akteurin Sevenich und die bisher unterbewerteten Details um Altersgejammer und Eheterror. Die szenische Lesung ermöglicht einen neuen Blick auf Winnies Gedankenwelt, und hilft dem Publikum, Beckett - bekanntlich keine leichte Kost - vielleicht ein wenig besser zu verstehen.
Es ist die schreckliche Langeweile, die Winnie in ihren Tagen beherrscht und die den Zuschauern auf die Nerven geht. Weil es eine grausame Darstellung auf die Langeweile der Routine ist, die Unmöglichkeit, sich allein zu ertragen, die Unzufriedenheit, die die Dankbarkeit für das Leben in den Schatten stellt.
Anke Sevenich brilliert in ihrer Rolle, voller Weiblichkeit, Dominanz, mit ihrem glücklichen Lächeln in den absurdesten Situationen, in denen es nichts zu lächeln gibt. Wie weit ist man selbst im Alltag so eingegraben wie Winnie?, fragt sich Gabriele Jung nach der Vorstellung. Nachdenklich stimmt sie der Theaterabend. Doch nur so sei die Inszenierung auch gelungen, findet die Pressesprecherin der Gemeinde. Der pessimistische Monolog, ohne Handlung und voller Lügen, hat vielleicht dem einen oder anderen geholfen, sich den glücklichen Momenten im Leben gewahr zu werden, sie zu fassen und zu erkennen. Vielleicht hat Regisseurin Kathrin Schwedler mit ihrer Interpretation Becketts dazu beigetragen, dass sich das Publikum am Ende des Stücks ein wenig glücklicher gefühlt hat. mlf

Die szenische Lesung von Tatort-Königin Anke Sevenich ist befremdend und provozierend zugleich - und das mit Absicht. Das Publikum, das Samuel Becketts Glückliche Tage in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde anschaut, ist begeistert. Die Bühne ist puristisch eingerichtet. Ein Stuhl, ein Tisch. Darauf eine Lampe. Dann tritt Anke Sevenich auf die Bühne und interpretiert Becketts Stück, das im Original so aussieht: Winnie, eine Frau um die 50, blond, gut erhalten, steckt bis zur Hüfte - später bis zum Kopf - in der Erde und muss in einer Wüste jeden Tag mit neuen Leben füllen. Ihr Mann Willie ist fast stumm und lebt hinter ihrem Sandhaufen. So einfach und so schwierig sind die Umstände des Ehepaares Winnie und Willie. Es ist ein ständiger, nicht enden wollender Kampf gegen die Leere und öde Einsamkeit dieses Ortes und gegen die Angst.
Die Inszenierung von Kathrin Schwedler setzt ganz auf die Bühnenwirkung ihrer Akteurin Sevenich und die bisher unterbewerteten Details um Altersgejammer und Eheterror. Die szenische Lesung ermöglicht einen neuen Blick auf Winnies Gedankenwelt, und hilft dem Publikum, Beckett - bekanntlich keine leichte Kost - vielleicht ein wenig besser zu verstehen.
Es ist die schreckliche Langeweile, die Winnie in ihren Tagen beherrscht und die den Zuschauern auf die Nerven geht. Weil es eine grausame Darstellung auf die Langeweile der Routine ist, die Unmöglichkeit, sich allein zu ertragen, die Unzufriedenheit, die die Dankbarkeit für das Leben in den Schatten stellt.
Anke Sevenich brilliert in ihrer Rolle, voller Weiblichkeit, Dominanz, mit ihrem glücklichen Lächeln in den absurdesten Situationen, in denen es nichts zu lächeln gibt. Wie weit ist man selbst im Alltag so eingegraben wie Winnie?, fragt sich Gabriele Jung nach der Vorstellung. Nachdenklich stimmt sie der Theaterabend. Doch nur so sei die Inszenierung auch gelungen, findet die Pressesprecherin der Gemeinde. Der pessimistische Monolog, ohne Handlung und voller Lügen, hat vielleicht dem einen oder anderen geholfen, sich den glücklichen Momenten im Leben gewahr zu werden, sie zu fassen und zu erkennen. Vielleicht hat Regisseurin Kathrin Schwedler mit ihrer Interpretation Becketts dazu beigetragen, dass sich das Publikum am Ende des Stücks ein wenig glücklicher gefühlt hat. mlf

Ein Bericht von Tassilo von Blittersdorff

http://www.brentanoscheune.de

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